Samstag, 4. Februar 2012

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09.03.2010
XML-Report: Begegnung der dritten Art

Daniel Koch

Sonntagnacht wurden bekanntermaßen zum 82. Mal die begehrten Oscars verliehen. Und auch hierzulande soll es ja Cineasten geben, die sich eine ganze Nacht um die Ohren schlagen, um diese mehrstündige Preisverleihungsarie live mitverfolgen zu können. Zwar nicht der große Gewinner, aber immerhin mit drei Oscars dekoriert: James Camerons Avatar. Ich selbst habe den Film noch nicht gesehen, was wohl auch an der Furcht vor den uneleganten 3-D-Brillen liegen mag, die ich mir über meine ohnehin bereits vorhandene Brille stülpen musste. Aber sei es drum. Die mittlerweile über eine Milliarde Kinobesucher können nicht irren: Dreidimensionales Kino scheint "in" zu sein. Aber nicht nur im Kino ist 3-D anzutreffen, auch auf der diesjährigen CeBIT kam man an dieser – doch eigentlich gar nicht mehr so neuen – Technik nur schwer vorbei. Denn längst haben auch die Hersteller kleiner Kameras diese vermeintliche Marktlücke für sich entdeckt. So soll im Sommer dieses Jahres eine 3-D-Kamera auf den Markt kommen, die für unter 200 Euro zu haben sein wird. Schreibe ich das, weil ich ein großer 3-D-Fan bin? Mitnichten. Die Sache hat einen – und wie könnte es an dieser Stelle anders sein – XML-lastigen Hintergrund. Denn mit XML3D sollen sich zukünftig dreidimensionale Grafiken in Webseiten einbinden lassen. Interessenten konnten sich dieses XML3D übrigens auf der vergangenen CeBIT ansehen. Für all diejenigen, die erst gar nicht in Hannover gewesen sind oder es nicht in Halle 9 geschafft haben, zeigt dieser XML-Report, was es mit XML3D auf sich hat.

XML3D

Die diesjährige CeBIT stand – zumindest teilweise – auch im Zeichen von 3-D. Eine Technologie dürfte dabei vor allem für XML-Entwickler interessant sein. Denn mit XML3D wurde eine Technik vorgestellt, mit der sich dreidimensionale Grafiken direkt in Webseiten einbinden und über HTML beschreiben lassen. Dargestellt werden die 3-D-Grafiken dann letztendlich als Raster oder Echtzeit-Raytracing. Dieses Echtzeit-Raytracing sorgt für eine realistische Darstellung von Reflexionen und Schatten. Interessant dürfte XML3D in erster Linie für interaktive Stadtpläne, Architekten und dreidimensionale Produktpräsentationen sein. Wie XML3D tatsächlich aussieht, hat das hinter dieser Technik steckende Entwicklerteam gezeigt, das sich aus dem neu gegründeten Intel Visual Computing Institute an der Universität des Saarlandes und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) zusammensetzt. Insgesamt stellt XML3D eine Mischung verschiedener Sprachstandards dar. Dabei definiert XML3D einen XML-Namensraum und ein XML Schema. Als eigentlicher Template-Mechanismus dient die XML Binding Language (XBL) 2.0.  Die Architektur der Sprache ist bewusst so gehalten, dass sich Entwickler und Designer sehr schnell einarbeiten können. Zentrale Anlaufstelle für XML3D ist die Webseite http://www.xml3d.org/.

XQuery and XPath Full Text 1.0

Die XML Query Working Group und die XSL Working Group haben gemeinsam eine Aktualisierung der beiden vorgeschlagenen Bewerberempfehlungen XQuery and XPath Full Text 1.0 und den dazugehörenden Use Cases veröffentlicht. Durch XQuery and XPath Full Text 1.0 werden XQuery und XPath um eine Volltextsuchfunktion erweitert. Use Cases beschreibt typische und mögliche Anwendungsszenarien von XQuery and XPath Full Text 1.0.

The System Information API

Der erste öffentliche Arbeitsentwurf zu The System Information API wurde von der Device APIs and Policy Working Group herausgegeben. Diese Spezifikation definiert ein API, durch das Webanwendungen Zugriff auf unterschiedliche Eigenschaften des Systems bekommen, auf dem sie laufen. Typische Beispiele dafür können der Batteriestatus und die aktuell verfügbare Netzwerkbreite sein.

Neuer CEO beim W3C

Lange Zeit galt Tim Berners-Lee als das Gesicht des W3C schlechthin. Mit dem ehemaligen Technikchef von Novell, Jeff Jaffe, der ab sofort CEO des W3C ist, wurde nun ein zweiter Kopf an die Spitze des bekannten Standardisierungsgremiums gewählt. Jaffe wird, so heißt es, das operative Geschäft übernehmen. Das wiederum soll Berners-Lee die Möglichkeit geben, sich wieder vermehrt um die technischen Belange kümmern zu können. So zeigen gerade die aktuellen Entwicklungen rund um HTML5, dass das durchaus nötig ist. Wer mehr über Jaffe erfahren möchte, findet unter http://www.w3.org/People/Jeff/ eine Kurzbiografie.

Updates für Microsoft-Produkte

Für den kommenden Patchday hat Microsoft wieder einmal angekündigt, einige Sicherheitslücken in Windows und Office schließen zu wollen. Die Sicherheitslücken betreffen Windows XP, Vista und Windows 7 sowie Office XP, 2003 und 2007. Zudem sind auch Mac Office 2004 und 2008 betroffen. Wer den Open XML File Format Converter for Mac im Einsatz hat, sollte das betreffende Update ebenfalls installieren. Denn auch in diesem Tool wurde eine Sicherheitslücke entdeckt. Ausführliche Informationen zum anstehenden Patchday finden Sie auf der Microsoft-Webseite.

XML-Tool der Woche

Die MSDN-Dokumentationen sind durchaus ansprechend gestaltet und vor allem übersichtlich. Mit dem kostenlosen Tool Microsoft Sandcastle können Sie Ihre Dokumentationen exakt in diesem Stil generieren lassen.  Microsoft Sandcastle ist zunächst einmal ein Compiler für Klassenbibliotheken, bietet aber zusätzliche Software, mit der sich Dokumentationen im MSDN-Stil optional auch mittels XML-Dokumentkommentaren generieren lassen. Microsoft hat Sandcastle auf seiner Open-Source-Plattform CodePlex veröffentlicht. Und im Gegensatz zum ersten Veröffentlichungstermin im Juni 2008 gibt es dieses Mal sogar die Quellen für Sandcastle mit dazu. Zur Erinnerung: Damals wurde Sandcastle auf CodePlex unter der Microsoft Public License (MS-PL) herausgegeben. Die Quellen hatte Microsoft allerdings nicht veröffentlicht, was dazu führte, dass die Veröffentlichung wieder rückgängig gemacht wurde.

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne unter xml@medienwerke.de entgegen.

Bis nächste Woche
Ihr Daniel Koch

Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in Berlin. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter dk@medienwerke.de. Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und informiert über die neuesten Entwicklungen der Standardisierungsgremien.








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