Dienstag, 7. Februar 2012

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25.05.2010
XML-Report: Irrtümer allenthalben

Daniel Koch

Irren ist ja bekanntermaßen menschlich, macht aber eben auch vor Software nicht halt. Ein klitzekleiner Irrtum führte jüngst dazu, dass Google so ganz nebenbei 600 Gigabyte vertrauliche Daten aus Versehen im Rahmen des Street-View-Projekts gesammelt hat. Kann ja mal passieren, vor allem, da das lediglich auf einen Programmierfehler und nicht etwa auf Böswilligkeit seitens Google zurückzuführen ist. (Was bei dem Slogan Don't be evil ja auch eine Selbstverständlichkeit ist.) Aber auch Menschen können hin und wieder auf dem Holzweg sein. Ein prominentes Beispiel dafür ist Bayern-München-Trainer Louis van Gaal, dem ein kleiner Lapsus  auf der Pressekonferenz vorm DFB-Pokalfinale passiert ist. Dort zeigte er sich nämlich leicht irritiert und nörgelig, ob der angeblichen Parteilichkeit der Berliner. Denn die hätten – so meinte er zumindest – überall Werder-Bremen-Fahnen in der Stadt gehisst. Nachdem sich die anwesenden Journalisten kurz verdutzt angesehen hatten, machte sich allerdings rasch allgemeine Heiterkeit breit. Denn was van Gaal als Werder-Fähnchen wahrgenommen hatte, waren in Wirklichkeit die Fahnen des DFB, die zufälligerweise eben auch grün sind. Auch dem W3C wird bekanntermaßen hin und wieder vorgeworfen, dass man mit der einen und anderen Spezifikation (vornehmlich HTML5) auf dem Holzweg sei. Welche Spezifikationen in den vergangenen Tagen von eben jenem W3C verabschiedet wurden, erfahren Sie in diesem XML-Report.

Widget Access Request Policy

Die Web Applications Working Group lädt zur Implementierung der vorgeschlagenen Bewerberempfehlung Widget Access Request Policy ein. Hintergrund dieser Empfehlung ist es, die Zugriffssicherheit für Netzwerkinteraktionen zwischen Widgets und Benutzerinformationen zu definieren. Als Beispiele für zu schützende Informationen gibt das W3C Telefonbücher, Kalender und das Dateisystem an. Ob und wie Widget Access Request Policy implementiert wird, kann anhand des implementation reports überprüft werden, der momentan allerdings noch keinerlei Einträge aufweist.

RDFa Core 1.1 und XHTML+RDFa 1.1

Mit gleich zwei ersten öffentlichen Arbeitsentwürfen wartet die RDFa Working Group auf. Dabei handelt es sich um RDFa Core 1.1 und um XHTML+RDFa 1.1. RDFa Core ist eine Spezifikation für Attribute, mit denen sich strukturierte Daten innerhalb von Markup-Sprachen ausdrücken lassen. XHTML+RDFa 1.1 ist eine Anwendung von RDFa Core 1.1 für XHTML. Die beiden Entwürfe werden voraussichtlich die Spezifikation RDFa in XHTML (RDFa 1.0) ersetzen.

View Mode Media Feature

Der Last Call zum View Mode Media Feature wurde von der Web Applications Working Group veröffentlicht. In diesem Dokument geht es um die Darstellung von Widgets in den User-Agenten der Anwender. Denn Widgets können üblicherweise in unterschiedlichen Darstellungsformen betrieben werden. Manchmal nehmen sie den gesamten Bildschirm ein, während sie sonst auf einen bestimmten Fensterbereich beschränkt sind. In dem vorliegenden Arbeitsentwurf wird beschrieben, wie Widget-Entwickler explizit Einfluss auf die Darstellung der Widgets nehmen können. Dazu werden in der Spezifikation verschiedene CSS-Style-Regeln definiert, über die man bestimmte Medienkriterien abfragen kann.

Sechs RIF-Empfehlungen

Gleich sechs vorgeschlagene Empfehlungen kommen dieser Tage von der Rule Interchange Format (RIF) Working Group.  Diese Empfehlungen ermöglichen gemeinsam ein System mit einer Vielzahl an Sprachen und regelbasierter Technologien, um untereinander und mit verschiedenen Technologien des Semantischen Webs zu interagieren. Drei dieser Entwürfe definieren XML-Formate, die eine formale Semantik für die Speicherung und Übertragung von Regeln bieten. Bei diesen drei Dokumenten handelt es sich um RIF Production Rule Dialect (PRD), RIF Basic Logic Dialect (BLD) und um RIF Core Dialect. Die anderen Entwürfe sind RIF Datatypes and Built-Ins (DTB), RIF RDF and OWL Compatibility und RIF Framework for Logic Dialects (FLD).

RailsWayCon 2010

Keine Frage, dass Ruby on Rails eines der beliebtesten Frameworks im Bereich der Softwareentwicklung ist. Bei der vom 31. Mai bis zum 2. Juni in Berlin stattfindenden RailsWayCon dreht sich alles um dieses Framework. Die RailsWayCon ist der Anlaufpunkt für die führenden Core-Entwickler und für alldiejenigen, die Ruby on Rails tagtäglich einsetzen. Dabei versteht sich die RailsWayCon als eine Konferenz, die sich die Förderung von Ruby on Rails auf die Fahnen geschrieben hat. Tracks und Sessions wie Using jQuery with Rails, How to make a successful web application und Enterprise Rails Hosting zeigen, wie sich Ruby on Rails effektiv einsetzen lässt. Ausführliche Informationen zur diesjährigen Konferenz finden Sie auf der Webseite http://it-republik.de/conferences/railswaycon2010/.

XML-Tool der Woche

XML-Line ist eine PHP-Klasse, mit der sich die in PHP integrierten Expat-Parserfunktionen komfortabel nutzen lassen. (Weiterführende Informationen zu diesen Expat-Funktionen finden Sie auf der Seite http://www.php.net/manual/de/ref.xml.php.) So gut die Expat-Funktionen aber auch sein mögen, sie haben einen entscheidenden Nachteil: Funktionen für die Weiterverarbeitung der geparsten Daten gibt es nicht. Genau hier kommt XML-Line ins Spiel. Durch diese Klasse werden die Parserergebnisse nicht in eine Baumstruktur überführt, sondern werden in einer linearen Struktur gehalten, die sich permanent selbst aktualisiert. Mit XML-Line lassen sich Werte, Attribute und Elemente innerhalb von XML-Dokumenten ändern, hinzufügen und löschen. Ebenso ermöglicht XML-Line datenbankähnliche Abfragen und die Aktualisierung von XHTML-Webseiten. Auf der Projektwebseite http://www.media-palette.de/tools/xml-line/index.html finden Sie weiterführende Informationen zu XML-Line. Die PHP-Klasse ist kostenlos und wird unter der GPL vertrieben.

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne unter xml@medienwerke.de entgegen.

Bis nächste Woche
Ihr Daniel Koch

Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in Berlin. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter dk@medienwerke.de. Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und informiert über die neuesten Entwicklungen der Standardisierungsgremien.